von me | 22 Dezember, 2009 - 4:29 pm - Veröffentlicht in Alles wird Gut, Die Unmoralische, Welt-Geschichten

Auch wenn das fast vergangene Jahrzehnt durch ziemlich viele Krisen geschlittert ist: 9/11, Afghanistan-Krieg, Irak-Krieg, Tsunami, Finanzkrise – um nur einige zu nennen, meine ich nun doch einen Lichtstreif am Horizont erkennen zu können, der Hoffen macht, dass sich in Zukunft vielleicht doch etwas ändert – und zwar aus einer Ecke, aus der ich es nicht unbedingt vermutet hätte.

Zum Einen sind es die Studentenproteste, der sich über Wochen an deutschen und österreichischen Unis hingezogen hat. Und der vermutlich dazu beigetragen hat, dass die Kultusministerkonferenz einige Details am bisherigen Bildungssystem änderte. Doch es geht in diesem Fall nicht um das Ergebnis. Sondern um die Langlebigkeit der Proteste. Das was kein Flackern im Wind, kein Warnstreik, der schneller verendete als er begann. Über mehrere Wochen war das Thema präsent, immer wieder thematisiert auf Websites und in Blogs. Was sicherlich wiederum dazu beigetragen hat, dass die Proteste so lange anhielten.

Und dann kamen das Popstars-Halbfinale und -Finale vor kaum zwei Wochen. Wo die Show von den Zuschauern gnadenlos ausgebuht wurden. Zum Einen weil die Entscheidung, welche Band ins Finale einziehen würde, aufs Finale selbst verlegt wurde, um aus der müde dahindümpelnden Show durch noch mehr kostenpflichtige Anrufe noch ein bisschen mehr Kohle rauszuquetschen – ein Vorgang, der jetzt auch die Medienaufsicht beschäftigt. Zum Zweiten weil bei der Verkündung des Names der Band Some&Any das Publikum wieder ordentlich buhte und sich anschließend zig Leute in Foren über die Band lustig machten – was sicherlich nicht zum Erfolg der Band beitragen wird.

Und wieder glaube ich, dass das Internet einen entscheidenden Anteil an der Reaktion des Publikums hatte, die die Verantwortlichen bei Pro7 sicherlich völlig überrascht haben. Heute wird sich in unzähligen Foren schon über Trends und Events ausgelassen, die Leute tauschen sich aus, bilden Meinung. Und lassen sich dadurch schwerer für dumm verkaufen als vielleicht noch vor einigen Jahren, wo jeder ja noch ein “Individuum” war, das nicht via Internet am “Weltwissen” teilhaben konnte. Und mit seiner Meinung ganz allein auf sich gestellt war.

Jüngstes Beispiel in der Sache: The X-Factor - eine britische Casting-Show, die deutschen Formaten wie DSDS oder Popstars ziemlich ähnelt. In den letzten vier Jahren dominierten die Sieger der kurz vor Weihnachten zu Ende gehenden Show in schöner Regelmäßigkeit die britischen Charts, was einige Leute offenbar so verärgerte, dass sie via Facebook dazu aufriefen, den 17 Jahre alte Song “Killing in the Name” der Band Rage Against the Machine zu kaufen, die nun statt der Casting-Show-Kandidaten die Spitze der UK-Charts anführen.

Toll. Es ist nicht zu spät. Das Volk, der Plebs hat doch noch etwas zu sagen. Kann in diesen scheinbar festgefahrenen Strukturen doch noch etwas bewirken. Auch wenn das über Facebook passiert.

Was wiederum andere Schwierigkeiten und Probleme mit sich bringt.

Dieser Eintrag wurde am Dienstag, Dezember 22nd, 2009 um 16:29 veröffentlicht und wurde Alles wird Gut, Die Unmoralische, Welt-Geschichten zugeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel perRSS 2.0 feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar verfassen, oder trackbacks einer anderen Seite.

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