von mixm | 7. März 2010 - 12:54 Uhr - Veröffentlicht in Alles wird Gut, Welt-Geschichten, Wort - Bild - Ton

hatte ich schon letzte woche reinstellen wollen, hab mich aber nicht getraut, mes ausführungen zu unterbrechen. aber das leben muss ja weitergehen… ;)

schönen sonntag, Euer mixm.

von me | 6. März 2010 - 14:38 Uhr - Veröffentlicht in Wort - Bild - Ton

So, jetzt ist sie vorüber, diese Woche der Introspektion, wenn ich das mal so egozentrisch verlautbaren lassen darf. Sie hat begonnen mit totaler Niedergeschlagenheit und Wut. Und wandelte sich im Verlauf der Woche hin zu diesem Punkt, an dem ich nun hier sitze und dieses langweilige Gelumpe in den Rechner hacke. Mir geht es wirklich wieder gut, das kann ich sagen. Und ich stelle fest an mir, dass ich mir bewusster bin als vorher und versuche, die ganzen Dinge, die mich so unendlich stressen - was ich natürlich nicht so einfach abstellen kann - so zumindest ein wenig gelassener zu nehmen. Und ausgehend von dieser Selbsterfahrung kann ich jedem nur empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, und sich über elementare Dinge wie die eigenen Ängste, Frustration und Trauer, aber auch über Dinge wie Glück Gedanken zu machen.

Mir ist wieder einmal klar geworden, dass es nicht schlimm, sondern sogar eher hilfreich sein kann, wenn es einem mal schlecht geht. Dass ich hart zurückschlage, wenn man mich zu treffen versucht, aber mich heillos hilflos hilflos fühle, wenn mir jemand mit totaler Entwaffnung begegnet. Dass Angst ein schlechter Motivator ist. Und glücklich sein nicht mit Geld oder derlei Dingen zu tun hat - eher im Gegenteil.

Darüber hinaus hab ich festgestellt, dass dieses Konzept der 8 Gefühle vielleicht ein wenig zu kurz greift. Nehmen wir bspw. Erregung. Nicht das Gefühl, das ein Tor der “eigenen” Fußballmannschaft hervorruft. Sondern der Moment, wo der Stürmer auf das gegnerische Tor zuläuft und man noch nicht absehen kann, ob er trifft. Ein Zustand, der sich mit den behandelten Begriffen nur schwer abbilden lässt. Trauer, Angst, Scham, Ekel, Zorn kommen hier eh nicht in Betracht. Aber wie sieht es mit Glück aus? Mit Freude? Liebe gar? Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie bring ich die alle nicht mit der beschriebenen Situation in Verbindung.

Vielleicht passt das Wort Hoffnung ganz gut. Die Hoffnung, dass der Stürmer trifft. Und sich alles zum Guten wendet. Ein großes Gefühl. Elementar wie Freude und Glück. Ohne Hoffnung - oh weia. Wo wären wir alle nur ohne Hoffnung? Vermutlich hingen wir massenhaft in Schlingen von den Bäumen.

In einer Zeitschrift hab ich etwas über Glück gelesen. Es ging da ums Lottospielen und inwiefern der Gewinn des Jackpots den Gewinner glücklich macht. Ernüchternderweise tut er das in den wenigsten Fällen. Denn Menschen, die nie oder nur wenig Geld hatten, und plötzlich auf einem Berg von Schotter sitzen, na ja. Kommen selten damit richtig klar. Werden ausgenutzt. Sind überfordert. Und wirklich nicht als glücklich zu bezeichnen, trotz der ganzen Knete. Und wohlgemerkt, das ist nicht meine Erfahrung, sondern die Erfahrung von Lutz Trabalski, der bei der Deutschen Klassenlotterie Berlin für die Großgewinnabwicklung zuständig ist.

Aber warum spielen so viele Menschen dann Lotto? Wenn es die meisten am Ende unglücklich machen würde, wenn sie gewännen?  Herr Trabalski: “Wer Lotto spielt, denkt in der Zeit zwischen Tippabgabe und Ziehung über einen möglichen Gewinn nach. Für die Leute ist das ein Zustand angenehmer Hoffnung.” Wie der Stürmer, der auf das Tor zuläuft. Die 16-jährige, die man 15 Tage nach dem Erdbeben auf Haiti lebend aus den Trümmern geborgen hat. Muntasser al Saidi, der dem damaligen Präsidenten George W. Bush seinen Schuh ins Gesicht schmetterte. Dominik Brunner, der in einer Münchner S-Bahn viel Kinder schützen wollte und dafür mit seinem Leben bezahlte.

All diese Menschen und die damit verbundenen Ereignisse verkörpern es. Hoffnung. Für uns. Damit wir glauben, glauben können, dass die Welt wenigstens nicht ganz so Sche!$se ist, wie sie uns vorzugaukeln versucht. Und was tun wir…?

Im März 1964 wurde die 28-jährige Kitty Genovese in der Nähe ihres Wohnhauses in Queens von einem Mann niedergestochen. Die junge Frau schrie, Nachbarn wurden aufmerksam, schließlich schrie einer den Angreifer an, der flüchtete, während sich das blutende Mädchen versuchte zu ihrer Wohnung zu schleppen. Kurz darauf kam der Angreifer allerdings zurück, suchte die Frau, und vergewaltigte und tötete sie. Der ganze Vorfall dauerte ca. eine halbe Stunde und ging nicht wegen des Mordes in die Geschichte ein. Sondern weil 38 Nachbarn bei dem Verbrechen zugesehen hatten - und niemand auch nur die Anstalten machte, wenigstens die Polizei zu rufen.

Dieses als Bystander-Effekt oder auch Genovese-Syndrom bekannt gewordene Phänomen sollte uns allen zu denken geben. Es besagt, dass je mehr Menschen zusehen, wenn etwas passiert, desto geringer ist die Bereitschaft, etwas dagegen zu unternehmen. Kitty Genovese ist getötet worden, nicht obwohl so viele Menschen zugesehen haben. Sondern weil es so viele waren. Gründe hierfür sind natürlich Scham, etwas vor anderen falsch zu machen, die Umdeutung des Problems als nicht sonderlich dramatisch, und natürlich die gute, alte Verantwortungdiffusion: Wenn die anderen nicht helfen, warum sollte ausgerechnet ich…?

Und ebenso sitzen wir rum und sehen zu, wie alles den Bach runtergeht, und denken uns: Was kann ich schon tun…? So schlimm wirds schon nicht werden. Und: Wieso soll ausgerechnet ich mir für irgendetwas den Ar$%& aufreißen, wenn die anderen nicht…

Ich habe letztes Jahr versucht mit dieser Denke aufzuhören. Einfach für mich entschieden, schon mal anzufangen und nicht mehr auf irgendetwas oder irgendwen zu warten. Weil ich schlicht die Schnauze voll habe von dem ganzen Mist. Und irgendeiner anfangen muss. Zugegeben, es hat mich - in letzter Zeit immer häufiger - ziemlich frustriert, dass ich das Gefühl hatte, gegen Windmühlen anzurennen. Weil niemand gekommen ist und gesagt hat, ey, geile Idee, warte, ich komm mit. Eher hieß es: Mach mal, wenn Du Lust hast. Schaden tuts schon nicht.

Ich muss einfach erkennen, dass es nicht  so leicht ist, etwas zu verändern. Zumindest nicht, wenn man nicht Bono oder Angelina Jolie heißt. Die auf ihren Bergen von Kohle sitzen und glauben, genug zu tun, wenn sie mal über Afrika reden oder ein paar halbverhungerte Kinder adoptieren. Es lässt sich immer gut helfen, reden, mahnen, wenn es einem selbst nicht weh tut. Aber ich komme vom Thema ab. Entscheidend für mich ist, was mir in dieser Woche klar geworden ist: ich mach weiter. Sche!$s egal was irgendwer denkt. Vielleicht hat es einen Sinn. Oder auch nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bis dahin, lasst uns tanzen! Und hoffen, dass es nicht ganz so schlimm wird.

von me | 5. März 2010 - 19:25 Uhr - Veröffentlicht in Alles wird Gut

Eine Ode an die Liebe
Das hat sie schon verdient
Sie ist mein Motor
Der Erfolg für unser Sein
Die tollsten Lieder wurden geschrieben
Mit dem Anspruch zu lieben
Angela Peltner

Love. Amour. Amor. Amore. Was für ein überstrapaziertes Wort. Backen ist Liebe - Sanella ist Backen. Wir lieben Kino, Technik, Lebensmittel, Autos. Aus Liebe zum Detail. Aus Liebe zum Genuss - Ich liebe es. Kein anderer Begriff hat eine eigene Song-Kategorie - von dem Wort Protest vielleicht mal abgesehen. Es gibt natürlich Hip-Hop, Blues, Rock, RnB , Jazz und was weiß ich noch für Begriffe, die die Eigenschaften der jeweiligen Musik beschreiben. Aber mit Ausnahme von Protest-Songs (bzw. generell politischen Songs)  fallen mir echt nur Love-Songs ein, die eine eigenen inhaltliche Kategorie repräsentieren. Aber lassen wir das. Ich denke, jedem von uns ist klar, dass nichts die Menschheit so bewegt wie dieser Begriff. Und auch nichts die Entertainment-Industrie. Weil es Liebe ist.

Nähere ich mich diesem weltbestimmenden Phänomen von der evolutionsbiologischen Seite - und geben gleich zu bedenken, dass dies - wie in den anderen Artikeln - alles ziemlich laienhafte und wissenschaftlich kaum gesicherte Überlegungen sind. Die möglicherweise die erstbeste Untersuchung auszuhebeln vermag. Dennoch glaube ich, dass Liebe einen elementaren Zweck erfüllt, auch wenn man den Begriff - auf evolutionsbiologische Aspekte angewendet - ein wenig differenzierter betrachten muss, weil er nichs, aber überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was in Songs wie Ein Stern, der Deinen Namen trägt schon fast der Lächerlichkeit anheim gestellt wird.

Ich spreche natürlich nicht von quasi-monogamen Beziehungen im Tierreich wie bei den Unzertrennlichen. Sondern von Mutterliebe. Das vielleicht elementarsten Gefühl überhaupt. Und eines der wenigen Dinge im Leben, die man einfach geschenkt bekommt - die meisten von uns jedenfalls. Jenes evolutionsbiologische Prinzip, das dafür sorgt, dass sich sonst eher scheue Bärenmütter oder Wildsäue, die Menschen für gewöhnlich aus dem Weg gehen, in wilde Bestien verwandeln, die alles platt walzen, was in ihre Nähe kommt.

Bei Männern verhält es sich meines Erachtens ein wenig anders - evolutionsbiologisch gesehen. Natürlich empfinden sie Verantwortung für ihrer Nachkommenschaft, ohne Frage. Doch Männer sind, glaube ich, noch eher darauf programmiert, Verantwortung für die gesamte Art zu übernehmen als Frauen. Die sich naturgegeben erstmal um die Weitergabe ihrer eigenen Gene kümmert. Als um das Überleben der Art. Was im Wesentlichen zusammenhängt mit der polygamen Ausrichtung des Mannes. Und den verständlicherweise eher monogamen Interessen der Frau. Und es verwundert nicht allzu sehr, dass wir flugs beim Sex und all dem anderen Schweinkram gelandet sind. Schließlich wird es einen Grund geben, warum es auch Liebe machen heißt.

Allerdings soll uns das für diesen Artikel nicht weiter interessieren. Schließlich ist es die Lust, derer sich die Natur bedient, um die Lebewesen zum Knattern zu verleiten. Mit all dem Balzgehabe, was vorangeht. Und der stetigen Verbesserung des Genpools dienen soll. Das ganze Mein-Haus-Mein-Auto-Ich-Bin-Sowieso-Der-Allergeilste-Survive der Allerfittesten.

bel-flamingo-love

Aber zurück zum Thema. Was so komplex ist, dass es schwer in einen Artikel hineinzuquetschen ist. Und 1.000 Songs nicht ausreichen, um es auch nur annähernd zu erfassen. Die Liebe. Hach. Das vielleicht stärkste Gefühl der Welt. Und dem Glück nicht unähnlich. Das Menschen dazu bringt, sich für andere aufzuopfern. Das - unerfüllt - so schmerzhaft sein kann, dass sie einen auseinander reißt. Und - wenn sie einen befällt - einen so viele Dinge sagen, denken, tun lässt, dass man wirklich vom Kopf verdrehen sprechen kann.

Hört mich mal reden. Ich quatsche genauso einen verklausulierten Stuss wie die Schmonzetten-Texter aus Werbung und Schlager. Dabei will ich doch eigentlich zum Kern vordringen. Der meiner Meinung nach Liebe ist. Na, mal sehen, obs mir gelingt in ein paar Zeilen.

Also erstmal: Man kann nichts dagegen tun. Ich würde zwar behaupten, dass es in der Regel eine Zeit braucht, eh man einen Menschen liebt - auch wenn man vielleicht vorher schon verliebt in ihn war. Manchmal schlägt das Leben natürlich seltsame Blüten: ich habe meine jetzige Freundin von dem Moment an geliebt als wir den ersten Satz miteinander sprachen. Am Telefon. Da wusste ich noch nicht einmal wie sie auszieht. Ohne Witz. Hat mich beim ersten Wort durchschlagen wie ein Kugelblitz. Dabei hatten wir aus einem völlig zufälligen und unspektakulären Grund überhaupt miteinander telefoniert.

Wenn ich manchmal darüber nachdenke, empfinde ich es als das vielleicht größte Geschenk, das man bekommen. Oder jemanden machen kann. Die Bereitschaft, das Leben mit jemandem zu teilen. Das ist schon ziemlich krass. Von allen Möglichkeiten, die einem das Leben bietet, entscheidet man sich für die eine und gegen alle anderen. Weil diese eine Möglichkeit bedeutet mit einem bestimmten Jemand zusammen zu sein. Ich stell mir dann immer einen Weg vor, auf dem man alleine geht. Und dann kommt jemand und entschließt sich, den Weg mitzugehen. Und wenn man es richtig anstellt, sogar bis zum Ende. Hammer. Da kann man schon den ein oder anderen Film drüber drehen.

Und dann gibt es noch diese Art von Liebe, die mit Freude und Glück in ziemlich engem Zusammenhang stehen. Ich liebe meinen Hund. Den Kaffee am Morgen. Am Fenster sitzen und lesen, wenns draußen regnet. Led Zeppelin. Den Geruch von frisch gemähtem Gras. Von Gewitterluft. Käse. Gute Filme. Eine gute Idee. Und noch tausend andere Sachen.

Und natürlich könnte ich auch sagen: Ich freue mich, wenn ich Zeit habe für… Oder: ich fühl mich glücklich nach einem guten Essen. Oder beim bierseligen Zusammensein. Aber auf die Idee zu kommen zu sagen, ich mag meinen Hund. Ganz ehrlich, das wäre wirklich untertrieben.

Keine Ahnung, ob das nun ein erschöpfender Artikel über Liebe war. Mir kommt es gerade echt ein wenig schwach vor. Aber ich verspreche, dass wir sicherlich darauf zurückkommen werden. Weshalb ich das abschließende Wort weitergebe an den ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der auf die Frage, ob der Deutschland liebe, geantwortet hat.

Ich liebe keine Staaten. Ich liebe meine Frau.

Was hast Du heute schon getan, um die Welt zu retten…?

von me | 4. März 2010 - 10:12 Uhr - Veröffentlicht in Das Netzwerk
Wer glücklich sein will
Muss zufrieden sein können
Und wann zufrieden man ist
Bestimmt man stets selbst
Altes Sprichwort

Glück. Na wie jetzt? Ist doch das Gegenteil von Pech, oder? Leider ist es nicht ganz so einfach. Und bedarf daher einer kurzen Begriffsklärung. Wie nämlich zu sehen, ist - im Deutschen - klar zu unterscheiden zwischen Glück haben - im Sinne von Schwein haben - und im Glück sein, also glücklich sein. Diese Unterscheidung wird in der dem Deutschen bisweilen erschreckend ähnlichen, weil eng verwandten englischen Sprache durch die beiden Wörter fortune (Fortuna lässt grüßen) oder auch luck (das sich vom Wort Glück nur durch den fehlenden Buchstaben G unterscheidet) und happiness ausgedrückt. Wobei mit happiness das Glücklichsein gemeint ist.
Happiness. Das ist doch mal n Wort. Da denkt man gleich an Let the Sunshine in. Im Gegensatz dazu: Glück. Ähem. Na ja. Ein wenig angestaubt vielleicht. Mal unter § 42, Abschnitt V F-S nachsehen. Wo sich andere Wörter tummeln, die nur der Bedeutung nach das sind, was wir Deutschen sie auszudrücken bestimmt haben. Froh (engl. glad) ist so ein Wort. Noch besser Frohsinn. Klingt wie zwangsverordnete Bespaßung. Apropos, Spaß. Das ist auch so ein Wort. Schlimmer gehts nicht. Spaß. Juchu. Da fall ich vor Freude fast vom Stuhl, wenn ich das höre. Wie anders klingt hingegen: Fun? Fun, Fun, Fun! Alter, hol Dein Surfbrett, wir feiern ne Party am Strand. Echt jetzt. Wundert sich wirklich jemand über all die Anglizismen in unserer Sprache?
Und dennoch ist der Satz um den es in diesem Artikel geht, meiner Meinung nach um einiges tiefer als seine englische Entsprechung: Ich bin glücklich.
(Jetzt mal ehrlich: I am happy oder was?)

Was aber bedeutet das, glücklich sein? Im Artikel zur Freude hab ich ja, glaube ich, schon erwähnt, dass ich denke, dass Freude ein lautes Gefühl ist, das man mit anderen teilen kann. Und das man meines Erachtens auch immer als Reaktion auf etwas empfindet. Beim Glücklichsein ist das anders, denke ich. Weil es eher einem Zustand gleichkommt als einem konkreten, an eine bestimmte Sache oder Situation gebundenen Gefühl. Weshalb es sich in dieser Hinsicht - mehr oder minder - von allen bislang behandelten Gefühlen unterscheidet. Und, ich glaube, etwas ist, dass man allein, still, für sich empfindet. Fühlt.

Was aber macht mich glücklich? Ich kann sagen, dass meine Beziehung mich wirklich glücklich macht. Glücklich sein lässt. Was nicht heißt, dass meine Freundin und ich uns nicht streiten. Oder uns andauernd Rosen schenken oder sonst irgendwelches Pretty-Woman-Gedusel praktizieren. Leider - oder vielleicht natürlicherweise - wird der generelle Zustand der (intakten) Partnerschaft meistens vom Tagesgeschäft überlagert. Man hat einfach nicht immer die Zeit, bewusst zu sein. Sich der Dinge gewahr zu sein, die für den eigenen, ähem, Seelenzustand elementar sind.

Ärmlicher noch sieht es mit dem Verhältnis zu den Dingen aus, auf denen die Beziehung fußt. Und ohne die mein Zustand des Glücklichseins ungleich schwerer zu erreichen wäre. Beispiels- und glücklicherweise habe ich - über meine Beziehung hinaus - eine intakte Familie, die sich im Großen und Ganzen miteinander versteht, ich habe außerdem intakte Beziehungen zu anderen Menschen, Freunden, ein “vernünftiges soziales Umfeld” wie man womöglich sagen würde, einen mehr oder eher minder einträglichen Job oder derer mehrere, die mich ausfüllen - und zwar nicht zeitlich, sondern mental und emotional. Ich bin, so hoffe ich zumindest, körperlich und geistig gesund, und lebe zu allem Überfluss auch noch in einem Land, in dem das Wasser aus dem Hahn kommt, der Strom aus der Steckdose und Wärme, wenn man den Heizkörper andreht. Klingt verdammt privilegiert, nicht wahr? Sicher, ist es auch. Und trotzdem kein Garant, um am Ende behaupten zu können, glücklich zu sein.

Natürlich ist es schwer glücklich zu sein oder zu werden, wenn man als Kind missbraucht wurde, sein eigenes Kind gleich wie verloren hat, wenn man im Rollstuhl sitzt und nur den Kopf bewegen kann, oder man von allem und jedem fertig gemacht wurde und wird. Keine Frage. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man in diesem oder jedem Fall überhaupt glücklich werden kann. Jemals. Was für eine unfassbar erschütternde Vorstellung.

Schwerer vorstellbar erscheint hingegen, dass die Menschen, die auf der anderen, der Sonnenseite des Lebens stehen, nicht automatisch so unglaublich übergalaktisch und immerewiglich derart glücklich sind, dass ihnen die Sonne buchstäblich und andauernd aus dem Arsch scheint.  Und wie mir scheint, ist dem auch nicht so. Denn auch wenn ich natürlich nichts darüber sagen kann wie glücklich die Madonnas, Lindsay Lohans und Paris Hiltons dieser Welt (seltsam, dass mir nur Frauen in den Sinn kommen) jenseits der Hochglanzmagazine und Boulevard-Sendungen wirklich sind. Mit ihren Melonen auf dem Konto, ihren 1000-$-pro-Minute-Spezialisten, ihren zig tausend Freunden - bei denen womöglich sogar ein paar echte dabei sind - und ihren ausgefüllten, Himmel!, furchtbar ausgefüllten Leben. Glücklich, ich weiß nicht. Würde mir jetzt nicht als erster Begriff einfallen wollen. Weshalb diese Leute auch dazu neigen, in Scharen zu Scientology flüchten. Während andere $ 1.000 bezahlen für ein Flasche irgendeines obskuren Kabala-Wasser. Oder auch Shoppen gehen. Wahlweise in Nizza oder Shanghai. Oder - was mir im Moment ziemlich in Mode gekommen scheint - Blagen werfen, dass es kracht. Kalben bis der, ähem, Arzt kommt. Macht sich besser so ein Neverland-Ranch-großer Palast, wenn wenigstens in ein paar der geschätzten 1.000 Zimmer jemand sitzt und die Wände mit Knete beschmiert.

Aber zurück zum Thema. Was ich damit sagen will: Diese ganzen Dinge, dieser oberflächliche Schnickschnack (womit ich selbstredend nicht die Beziehungen zu anderen Menschen meine) ist kein Garant dafür glücklich zu sein. Offen gestanden sind die Menschen, die mir begegnet sind, und von denen ich behaupte, dass sie am glücklichsten waren, die, die - auf eine gewisse Art - am wenigsten besaßen. Und dabei will ich jetzt nicht mal über die Menschen in der Dritten Welt schwadronieren, die sich das Leben im Großen und Ganzen sicherlich leichter machen, als wir komplizierten, durchgestylten, um jeden Driss einen Aufriss machenden, verweichlichten mitteleuropäischen Halbgescheiten, die diesen Planeten mit ihren all so ruhmreichen Ideen ja immerhin ins Licht geführt haben.

Wir haben einen Film gesehen, meine Freundin und ich. Liebesfilm hieß der, von Maximilian Haslberger gedreht, den ich leider nicht im Netz gefunden habe (den Film, nicht den Haslberger). Jedenfalls ging es in diesem Dokumentarfilm um zwei Behinderte, die Frau hatte Down-Syndrom, der Mann war - verzeiht mir meine fachliche Unkenntnis - schlicht geistig behindert. Ein Mongo. Und ein Schwachkopf. Wer schon will mit solchen, ähem, Menschen etwas zu tun haben? Das Phantastische daran war, dass die beiden miteinander verheiratet waren. Ohne Scheiß. Haben zusammengelebt in einer kleinen Wohnung. Haben nen Job gehabt in einer Behindertenwerkstatt, wo sie Besteck sortiert haben, Gabeln zu Gabeln, Messer zu Messern, so was in der Art. Ziemlich öder Job, mag “unsereins” denken. Aber ich kann Euch sagen: Ich habe noch nie glücklichere, zufriedenere Menschen erlebt. Mit einer völlig intakten Beziehung. Mit Sex und allem Drum und Dran. Und auch wenn die beiden keine Kinder kriegen durften (was sie echt traurig gemacht hat), waren die beiden so mit sich im Reinen. Und glücklich und so weiter. Es war erschreckend. Wie weit wir alle von diesem Zustand entfernt sind - jedenfalls die Leute, die ich ein wenig besser kenne.

Was ich damit sagen will: Natürlich kann es sein, dass sich auch diese beiden Behindis irgendwann trennen. …und wenn sie nicht gestorben sind, auweia. So etwas gibt es leider - oder glücklicherweise ? - nur im Märchen. Glück selbst aber ist ein Zustand, den man sich verdienen muss. Wie das Eingangszitat wunderbar auf den Punkt bringt.

Kann sein, dass es einem leichter gemacht wird. Oder dass man es schwerer hat, glücklich zu werden. Aber weder das eine noch das andere sind Garanten dafür, dass man es schafft. Glücklich zu sein. Zu werden.
Leider - oder glücklicherweise ? - hat das Erreichen dieses Zustandes ziemlich wenig mit Arbeit zu tun. Sondern vielmehr damit, zu sein. Weshalb der Mönch in seiner Kemenate auf irgendeinem dämlichen Berg in Tibet mit Buttertee und ohne Heizung, Strom und Plasmabildschirm. Das mit dem Leben irgendwie besser verstanden hat. Als… Ach, Ihr wisst doch längst schon, was ich meine.

Was wirst Du heute tun, um glücklich zu sein…?

von me | 3. März 2010 - 14:25 Uhr - Veröffentlicht in Politik und so

Freude. Hmm. Hätte nie gedacht, dass es mir schwerer fällt über positive als über negativ belegte Gefühle zu schreiben. Vielleicht sind dunkle Moment besser präsent, schneller abrufbar. Und die hellen Zeiten im Leben kommen einem im Nachhinein blasser vor - möglicherweise.

Freude. Im Vergleich zum Glücklichsein ein sicherlich lautes Gefühl. Eins, das man oft mit anderen teilt. Mit anderen zusammen erlebt. Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob man Glück nicht nur allein empfinden kann. Bei der Freude ist das auf jeden Fall anders. Je mehr Menschen sich mit einem freuen, desto größer ist die eigene. Freude. Man muss nur mal im Stadion gestanden haben. Oder vielleicht bei nem richtig guten Rockkonzert. Wenn 70.000 Leute die Feuerzeuge hochhalten und Novemberrain singen, während die Sonne untergeht, wow! Ein Gefühl, das die Grenze zum Glücklichsein überschreitet. Oder wenn - was mich angeht - Hertha eins ihrer gefühlten 6 Saisontore schießt. Da reiß ich die Arme hoch und schrei ganz laut. Wie beim Tanzen. Feiern. Freude.

Dann gibt es das seltsame Phänomen, dass man sich freut, wenn andere sich freuen. Wenn man anderen eine Freude bereitet hat. Das ist wirklich seltsam. Man freut sich einfach, weil andere sich freuen. Heftig. Und auch wenn ich nicht den geringsten Plan habe, warum das so ist, ist es doch so. Also geht es mir zumindest so. Nur dass mir das bisher gar nicht so richtig bewusst war, und mich erst ein Kumpel darauf bringen musste.

Und während ich noch so darüber nachdenke, kommt mir in den Sinn, dass uns einfach so ein riesiges Puzzleteil in den Schoß gefallen ist. Denn vielleicht würden sich die Menschen einander viel häufiger helfen. Wenn ihnen nur bewusst würde, was für ein erhebendes Gefühl das ist. Dabei zu sein, wenn man anderen eine Freude bereitet.

Na ja, leider sieht die Welt außerhalb der Theorie ein wenig trister aus. Ich habs sowohl beim Fischer- als auch beim PAL-Projekt erlebt. Da steht niemand und klatscht stehend Applaus, weil man sich abmüht jemandem zu helfen - und, um es gleich zu sagen, das ist nicht der Grund weshalb wir das tun. Doch im Gegenteil: Frau B. war größtenteils dagegen, sich helfen zu lassen. Wir haben ihr n Bett gebaut, ne Küche, ihre Wohnung entrümpelt. Ihr hat das gar nicht gepasst. Oder die alten Leute beim PAL-Projekt. Die haben sich nicht darum gerissen, mit uns spazieren zu gehen - i wo! Und es ist eine unheimlich ernüchternde Erfahrung, wenn man völlig ambitioniert an eine Sache rangeht, um dann festzustellen, dass man mehr oder minder der Einzige ist, der von ihrer Richtigkeit überzeugt ist.
Wir haben uns trotzdem nicht entmutigen lassen. Sich im Recht zu wähnen kann Freude bringen - manchmal umso mehr, je mehr Steine einem in den Weg gerollt werden.

Freude. Schöner Götterfunken. Was immer das auch heißen mag. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als meine Freundin letztes Jahr eine Geburtstags-Überraschungsparty für mich organisiert hatte. Freu. Und dabei bin ich nicht einmal ein Freund von Geburtstagsfeiern. Doch als dann alle gekommen waren, meine Familie, Freunde… Das hat irgendwie schon eine andere Qualität als der Sieg der “eigenen” Fußballmannschaft.

Die Freude darüber, dass jemand an einen gedacht hat. Für einen mitgedacht hat vielleicht. Wo wir auf der anderen Seite der Sich-freuen-dass-ein-Anderer-sich-freut-Situation angekommen wären. Um noch einmal das PAL-Projekt zu bemühen: Das hat sich im letzten Jahr ja insofern als ziemliche Pleite erwiesen, als dass am Ende nur noch meine Freundin und ich die alten Leute durch den Park geschoben haben - was den Projektcharakter der Aktion ziemlich in Frage stellt. Aber am Anfang, als alle noch mit Enthusiasmus und Engagement dabei waren, und wir ein, zwei Mal 6, 7 Personen gewesen sind - das hat mich wahnsinnig gefreut. Ganz ehrlich. Dass Menschen sich Zeit genommen haben. Das hat mich wirklich berührt.

Wo wir schon von Qualität reden: Vielleicht ist die Freude, die man empfindet, wenn jemand an einen denkt, für einen mitdenkt, sich Gedanken macht nicht exakt abzugrenzen von den beiden anderen Gefühlen Liebe und Glück. Vielleicht verschwimmt hier die Grenze, weil diese Momente einem nichts anderes zeigen, als dass man nicht allein ist auf der Welt. Dass man - wenn auch womöglich nichts anderes - so doch etwas erreicht hat im Leben: dass man von jemandem geliebt wird. Vermisst. Dass es Leute gibt, denen man fehlen würde, wenn man nicht mehr da ist. Dass man nicht grundlos dort ist wo das Leben meinte einen hinstecken zu müssen.

Brr. Ich habs echt gewusst. Je näher wir dem Kern kommen, desto tränenrührseliger wird der ganze Kram. Aber so ist es halt. Viele Seiten des Lebens sind schön und wenn man genau genug hinsieht nicht wirklich anders als der Schmalz, der aus den Groschenheft-Melodramen und Seifenoperetten in all die Wohnzimmer dieser Welt hineinrieselt und -trieft.

Das kann ein Sonnenaufgang sein. Ein altes Foto. Ein Holztisch, der sich gut anfühlt, wenn man mit der Hand darüber streicht. Eine Erinnerung. Ein Witz. Danke.

Die Dinge, die irgendwo dazwischen stattfinden. Inzwischen der großen, ungeheuer bedeutsamen, weltgeschichtlichen Ereignisse. An denen man leider nur selten seine Freude hat.

Was hast Du heute schon getan, um die Welt zu retten…?

von me | 2. März 2010 - 20:38 Uhr - Veröffentlicht in Hain des Plato

Ekel. Hmm. Ich bin schon manchmal ein Ekel, ehrlich. Aber darum geht es ja hier nicht. Vielmehr geht es um Ekel, ein Gefühl, das interessanterweise nicht angeboren, sondern sozialisiert ist. Heißt also, dass wir womöglich Kotze fressen würden, wenn Mami und Papi nicht früher oft genug dududu geschimpft hätten. Ziemlich befremdliche Vorstellung. Und ganz schön eklig.

Dennoch ist auch Ekel ein Gefühl, das mich ziemlich selten heimsucht. Junge, ich habe mit Typen rumgehangen, die kriegten schon Plaque - und das im wahrsten Sinne des Wortes - bei dem Gedanken, dass der Fleischklops-Bräter beim Mekkes in ihren Burger gerotzt haben könnte. Haare in der Suppe. Hunderte Witze, die sich nur um Ekel drehen wie etwa: Herr Ober, ich weiß nicht, ob es Ihnen auffällt, aber sie halten ihren Daumen auf meinem Steak. - Reine Vorsichtsmaßnahme, damit es nicht noch einmal runterfällt. Klingt irgendwie doch ziemlich sozialisiert, zugegeben.

Vielleicht ist es aber auch ein bisschen von beidem. Ein bisschen ursprünglich, instinktiv. Ein bisschen sozialisiert und anerzogen. Erfüllt Ekel nicht die Funktion, dass er einem dabei hilft, die Finger von Dingen zu lassen, die offensichtlich schädlich für einen sind? Und sind die anderen bisher ausgebreiteten Gefühle ebenfalls zum Teil instinktiv und zum Teil affektiv? Wenn dem so ist, ziehe ich meine Bemerkung zur Scham wieder zurück. Und dreh mich beim nächsten Mal weg, wenn mein Hund neben mir kackt. Vielleicht schämt sich die Töle tatsächlich ein wenig.

Ekel. Hmm. Vermutlich auch das Gefühl, das man am Schwierigsten verbergen kann. Zorn - kann man vielleicht unterdrücken. Trauer überspielen. Scham - drüber weg lachen. Angst vielleicht ignorieren. Aber Ekel…? Ich weiß nicht. Wenn einem buchstäblich die Kotze hochkommt…? Man würgen muss, dass einem die Augen tränen…? Schwer zu überspielen.

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Vielleicht spielen deshalb Horror-Filme so gern damit. Mit Untoten, deren Eingeweide rausquillen, deren Gesichter in Streifen vom Schädel hängen. Mit Maden, Spinnen und so nem Zeug. Und Verletzungen, bei denen selbst Ärzten aus der Unfallambulanz schlecht wird. Funktioniert immer. Hat sogar ein ganzes Sub-Genre geschaffen - den Splatter- oder Gore-Film.

Ihr merkt schon, ich werde geschwätzig. Weil man beim Ekel einfach nicht tief graben muss. In den letzten Artikeln hab ich ganz schön was rausgelassen von mir. Über mich. Beim Ekel… Keine Ahnung. Ich kann nur sagen, dass ich mir beim Anblick diverser Klos schon oft vorgestellt habe, wie es wohl wäre, meinen Kopf in die beschissene Toilettenschüssel zu halten - ein wunderbare Training zur Vermeidung von Plaque. Bei dem ich seltsamerweise das Gefühl habe, dass es irgendwie das körperliche Abwehrverhalten stärkt. Seltsam. Allein durch Gedanken. Andererseits tut es mir oft genug für meine Pisse leid, die ich in versifften Autobahntoiletten zurücklassen muss. Ganz ehrlich. Da muss ich jedesmal dran denken.

Wie auch immer, es ist vielleicht nicht verkehrt, nach den für mich bisweilen ziemlich schwierigen Artikeln über die negativ besetzten Gefühle, mit diesem hier ein nonchalantes Ende zu finden. Bevor wir uns den schönen Dingen des Lebens zuwenden: Der Freude. Dem Glück. Und natürlich der Liebe.

Daher zum Abschluss noch ein Witz, weils so schön war, Ihr kennt ihn sicher. Wo jemand in die Kneipe kommt und nach ner Gabel fragt. Und nach ner Weile kommt ein Zweiter und fragt auch nach ner Gabel. Dann kommt der Dritte und fragt nach nem Strohhalm, woraufhin der Wirt fragt, was denn überhaupt los sei. Antwort: Da hat jemand vor die Tür gekotzt, die dicken Brocken sind schon weg.

Ich finds herrlich.

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Links: Natürlich das gute, alte rotten.com
Ganz ehrlich - schlimmer gehts nicht. Wie auf dem obigen Hand-im Fleischwolf-Bild zu sehen ist. Und nicht, dass Ihr meint, mir würde es Spaß machen, so ein Bild zu zeigen. Ich kann mir das echt nicht ansehen. Aber darum geht es ja schließlich - nicht wahr ?

von me | - 10:34 Uhr - Veröffentlicht in freigeld.org

Es ist natürlich völlig absurd, wenn jemand behauptet, er hätte nie Angst. Laut dem emeritierten Physikprofessor Robert Park kämpfen wir allein deshalb schon mit - teils irrationalen - Ängsten (und vermutlich nicht nur diesen), weil es - evolutionsbiologisch gesehen - erst einen Wimpernschlag her ist, seit wir von irgendeinem afrikanischen Baum geklettert sind.

Tatsächlich wären Cro-Magnon-Menschen, die vor 30.000 Jahren die Erde bevölkerten, vom “modernen” Homo Sapiens kaum zu unterscheiden. Entsprechend haben wir immer noch auf das Pleistozän ausgerichtete Jäger und Sammler naturgegeben Probleme, in einer Welt mit Überschallgeschwindigkeit und Computern zurechtzukommen - und haben folglich Ängste, die wir, gingen wir völlig rational an die Sache ran, überhaupt nicht haben müssten. Bspw. in der Dunkelheit. Wir können nichts dagegen tun, dass unsere Sinne geschärft sind, weil wir immer noch erwarten, dass ein Säbelzahntiger aus dem nächsten Gebüsch springt. Oder ein Sittenstrolch. Hat ja auch sein Gutes.

Was mich angeht, so hatte ich bspw. 2 Wochen nachdem wir den Film Der Nebel im Kino gesehen hatten, immer noch keine große Lust in den Keller zu gehen. Nachdem ich Blair Witch Project gesehen hatte musste ich sogar das Licht anlassen, um überhaupt schlafen zu können - und da war ich bereits Mitte 20.

Was allerdings die anderen, für uns alle wohl wesentlicheren Ängste angeht, bin ich offen gestanden nahezu frei davon. Und natürlich liegt das daran, weil ich mir nie Gedanken um finanzielle Dinge machen musste. Ein unfassbares Privileg, das einen in vielerlei Hinsicht entspannter sein lässt, ob man es will oder nicht.

Darum ist meine Kritik, die ich im Artikel Zorn angebracht habe, nicht unbedingt berechtigt oder greift zu kurz. Es lässt sich nämlich leicht fordern, dass die Anderen mehr tun sollen, wenn man selbst es sich leisten kann, zu tun was man will - auch wenn das so bei mir nicht der Fall ist. Aber natürlich steigt die Risikobereitschaft, wenn man unterbewusst sicher sein kann, dass man im Fall des Falles weich, ähem, fällt.

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Andere, mehr als die meisten, haben da nicht so viel Glück. Müssen sehen, wie sie zurecht kommen. Natürlich haben sie Familien, die ihnen helfen so gut sie können. Aber natürlich können die meisten nicht so wie sie wollten. Oder müssten. Bla. Bla. Bla. Ich gerate ins Schwafeln. Denn was daraus resultiert ist, dass derlei existentielle Sorgen zum Lebensmittelpunkt werden können. Bzw. zur obersten Maxime, nach der Menschen ihr Verhalten ausrichten. Na ja, sagen vielleicht einige: Du hast ja auch gut reden. Und haben Recht. Gut Reden haben immer die Anderen.

Ich nämlich glaube, das heißt, ich bin der festen Überzeugung, dass Angst eine schlechte Quelle für Motivation ist. Sie ist zwar vortrefflich in der Lage Menschen zu motivieren: Angst bzw. deren Vermeidung bringt Menschen dazu, die verrücktesten Sachen zu tun. Ebenso Trauer, Scham. Und natürlich Zorn. Doch sind negativ besetzte Gefühle, ist Angst wirklich ein gutes Motiv aus sich heraus? Ich denke nicht.

Ich denke alle negativ besetzten Gefühle führen zu suboptimalen Entscheidungen, wenn man sie als Motive versteht. Und auch wenn sich das jetzt gerade nach ziemlich schwülstigem Wichtigtuer-Gelaber anhört, ist es im Grund ganz einfach: Wenn man aus Angst, keinen Job zu bekommen, irgendeinen oder den erstbesten Job annimmt, wird das dann der richtige Job für einen sein? Schwer vorstellbar. Trifft man eine Entscheidung aber aus einem positiven Gefühl heraus: aus Liebe, Freude oder einfach um glücklich zu sein, dann… Na ja, seht Euch ne Folge von Love Boat oder Fantasy Island an oder so.

Natürlich bin ich mir, der ins Glashaus Hineinsehende, durchaus bewusst, wie theoretisch und weltfremd sich das anhört. Natürlich kann nicht jeder immer machen was er will. Und natürlich wird nicht jeder einen Job finden, in dem er sich selbst verwirklichen kann. Natürlich ist ein Job in allererster Linie ein schnödes Mittel, um seine Miete bezahlen zu können. Aber um Jobs geht es hier ja auch nicht. Sondern um Angst.

Und auch wenn wir alle - auch ich - glauben, dass uns die Nachrichten, die sekündlich über den Ticker laufen, uns nichts angingen, so lang der letzte Orkan nicht unser eigenes Haus davon weht. Wird sich niemand davon freisprechen können, dass diese ganze Finanz-Religions-Staats-Verschuldungs-und-gesellschaftliche Sinnkrisen-Umweltkatastrophen-Situation spurlos an uns vorüber geht. Schließlich sind selbst Schwarze anderen Schwarzen rassistisch gegenüber eingestellt. Und der Vulkan unter unseren Füßen, er brodelt.

Darum: wir können überhaupt nicht verhindern, dass sich die Zeiten ändern. Und zwar zu unser aller Ungunsten. Was aber hat es dann für einen Sinn, sich den Ar$%& aufzureißen, aus Angst zum gesellschaftlichen Underdog zu werden? Wenn die Gesellschaft wie wir sie kennen untergehen wird. Und noch in unserer Lebenszeit.

Sollte man Angst davor haben? Oder besser etwas tun solange man noch Zeit hat? Aus Liebe vielleicht. Um glücklich zu sein. Und nicht aus Angst vor dem, was sowieso passiert. Ob man will oder nicht.

Was wirst Du heute tun, um die Welt zu retten…?

von me | 1. März 2010 - 23:28 Uhr - Veröffentlicht in Kniffe des Lebens

In Ordnung, da ich wohl der größte Schwätzer hier in diesem Raum bin, jetzt mal an mich die Frage: Was hab ich denn in letzter Zeit getan, um die Welt zu retten…? Mal sehen: ich habe einen alten Mann an der Supermarkt-Kasse derart beschimpft, dass ich das Bedürfnis hatte, mich am nächsten Tag bei der Kassiererin zu entschuldigen. Vor ein paar Tagen erst habe ich einen anderen alten Mann in einem anderen Supermarkt aus heiterem Himmel mit blöder Penner beschimpft, und auch wenn er danach rumgemeckert hat, war ihm anzusehen, dass die Art, wie ich ihn angesehen habe, ihn ziemlich Schiss hat kriegen lassen. Vermutlich hat er gedacht, wenn er noch viel sagt, schleppe ich ihn zu nem Münchner Bahnsteig, um ihn ins Koma zu treten. Ich habe meine Freundin zum Weinen gebracht - letzten Freitag erst. Meine Schwester - gestern. Mich mit nem Kumpel derart gestritten, dass der aufgestanden und gegangen ist. Ich habe schon Sachen zu Leuten gesagt, dass ich gleich darauf selbst darüber erschrocken habe. Klasse Sache, nicht? Aber ob ich mich dafür schäme? Ich bin mir nicht sicher.

Einer der zahlreichen Psychologen, mit denen ich zu tun hatte - eine dämlich grinsende, ohrringtragende Halbschwulette namens Ingo - hat mich aufgeklärt, dass es scheinbar nur 8 Gefühle gibt, 5 negativ besetzte - Ärger, Trauer, Scham, Angst und Ekel. Und 3 positive Gefühle - Liebe, Freude, Glück. Der Rest - Neid, Eifersucht, Demütigung, was weiß ich - sind Kombinationen dieser Gefühle. Und auch wenn der Typ, der mir von diesem Konzept erzählt hat, ein borniertes Ar$%&loch war, hab ich es doch für mich angenommen. Auch wenn ich Ärger sofort durch Zorn oder auch Wut ersetzt hab. Weil das Wort Ärger für mich genauso schwul daherkommt, wie ohrringtragende Psychologen namens Ingo.

Aber: Schäme ich mich? Ich denke nicht. Weil Scham für mich ein sozialisiertes Gefühl ist. Oder schämen sich die Affen etwa, wenn sie sich einen runterholen, und andere dabei zusehen? Wenn sie in aller Öffentlichkeit urinieren? Fragen Sie ihren Hund. Und da mir - wie ich bereits erwähnt hatte - völlig egal ist, was andere von dem denken was ich bin. Was ich tue. Kann wahrlich nicht die Rede davon sein, dass ich mich schäme, wenn ich einen alten Mann im Supermarkt mehr oder eher minder grundlos zusammenfalte. Auch wenn das nicht sehr ruhmreich klingt. Dessen bin ich mir sehr wohl bewusst.

Natürlich ist mir solch ein Verhalten grundsätzlich nicht egal. Und ebenso wie ich mich darüber ereifern würde, wenn ich jemand anderen dabei beobachten würde, wie ich mich mehrfach schon verhalten habe. Ist Zorn das beherrschende Gefühl, das mich nach solch einem Vorfall heimsucht. Ich ärgere mich maßlos über mich. Dass ich so bin. Und mich einfach nicht im Griff habe.

Wie auch immer. Scham empfinde ich in anderem Zusammenhang. Einen Tag nachdem mein Kumpel nach unserem Streit aufgestanden und gegangen war, bekam ich eine SMS. Der Vorfall hatte etwas lange in mir Gärendes ausgelöst, und meine Reaktion, mein völliger Rückzug hat ihn wohl verunsichert oder so, dass er wohl das Gefühl hatte, sich entschuldigen zu wollen. Dabei ist überhaupt nicht klar, ob ich mich nicht entschuldigen muss. Oder ob sich überhaupt jemand entschuldigen soll. Keine Ahnung.

Entscheidend ist, dass mich derlei Dinge tatsächlich beschämen. Ich kann gar nicht sagen, wieso. Und warum ausgerechnet beschämen. Aber da ich nicht traurig bin, ängstlich nicht oder zornig, und es mich natürlich nicht anekelt, empfinde ich wohl Scham in solchen Situationen. Ja, ich denke, das trifft es ganz gut. Auch wenn es irgendwie seltsam klingt.

Im Kung Fu gibt es das Konzept des Harten und Weichen. Harte Körper lassen sich bewegen. Weiche Körper kaum fassen. Wenn ich mir vor Augen führe, bei welchen Situation ich dermaßen ausraste, dass ich vergesse wo ich bin und wer mir gegenüber steht. Und an die Situationen denke, in denen ich ehrlich peinlich berührt bin. Dann kommt mir das ein bisschen vor wie Kung Fu. Wenn mir jemand dumm kommt - und dabei ist es gleich ob es mir nur so vorkommt - schlage ich zurück so hart und tief wie ich nur kann. Vorausgesetzt natürlich das Gegenüber ist kein 2-Meter-Kampfkoloss.
Wenn jemand sich aber selbst entwaffnet. Offenbart. Was bleibt einem dann noch übrig. Als sich ob seiner eigenen Torheit, Eitelkeit, Borniertheit.

In Grund und Boden zu schämen.

Was habe ich heute getan, um die Welt zu retten…? Heute Morgen war wieder eine Situation, in der ich hätte… Vermutlich ziehe ich solche Situationen an wie Blut die Haie. Na ja, ich bin ruhig geblieben. Das ist nicht viel, zugegeben. Aber für den Augenblick reicht mir das.

Was hast Du heute getan, um die Welt zu retten…?

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von me | - 12:31 Uhr - Veröffentlicht in Welt-Geschichten

Ganz ehrlich - ich bin verdammt selten schlecht drauf. Ich überfahre die Leute, überrolle sie sogar, bin maßlos, bisweilen anmaßend, penetrant, laut, raumnehmend und ein unfassbarer Ignorant, der sich über jedes noch so kleine Kinkerlitzchen stundenlang aufzuregen versteht - doch ich bin dabei nie schlecht drauf. In trüber Stimmung oder so. Ehrlich. Nie.

Wenn ich jetzt erzähle, dass es dafür manche Tage gibt, die vielleicht einmal im Jahr vorkommen oder so, an denen die Wolken ziemlich tief hängen, und ein Gefühl in mir ist, das klingt wie ein abgeschlagener Baumstumpf, höre ich die ersten schon wieder denken: Alles klar, bipolar. Aber das hatten wir ja schon. Was sollte es mich interessieren, was Ihr dämlichen Wichtigtuer denkt?

So wie ich das verstanden habe, gibt es endoge und exogene - nennen wir es - Traurigkeit. Bei endogener Traurigkeit liegt ziemlich wahrscheinlich eine körperliche Dysfunktion vor, und ganz ehrlich, ich habe Depressive kennengelernt und weiß nicht, was ich wählen würde, wenn ich müsste: eine richtige Depression oder Prostatakrebs. Selbstredend wird exogene Traurigkeit von außen hervorgerufen. Wenn ein geliebter Mensch stirbt zum Beispiel. Oder so was in der Art.

Was ich für mich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass meine Traurigkeit, die im Moment in mir drin steckt wie eine Lähmung, von außen ausgelöst wird. Wie sie bisher immer wurde. Und da ich glücklicherweise noch niemanden verloren habe, der vor seiner Zeit gehen musste, ist dieses Gefühl immer verbunden mit Enttäuschungen. Auch wenn dies der falsche Ort ist, mehr darüber zu sagen.

Was mich persönlich angeht, frustriert mich bei der Traurigkeit am meisten, die Reaktionen, die darauf folgen. Jedes Gefühl, jedes aufrichtige Gefühl löst Reaktionen in Menschen hervor, vermutlich naturgemäß. Zorn führt bspw. zu heftigsten Gegenreaktionen, die im Extremfall entweder darin enden, dass sich das Gegenüber total unterwirft - oder Dir eine in die Fresse haut. Angst, Ekel, Scham, sie alle rufen Reaktionen des Bedauerns, der Hilfsbereitschaft, der Anteilnahme gleich welcher Art hervor. Nur glaube ich, dass keine Reaktion so frustrierend sein kann wie die Reaktion auf Trauer, noch schlimmer - auf Traurigkeit.

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“Ich seh die Sonne nicht.”, hat mir mal eine schwer depressive Frau an einem heißen Augustabend gesagt, die ich mit armseliger Die Welt-ist-schön-Rhetorik auf andere Gedanken bringen wollte. Ich denke, das trifft es ganz gut. Was soll man da noch sagen? Angst, Scham, womöglich Ekel und Zorn, dabei können einem andere vielleicht helfen fertig zu werden. Mit seiner Trauer - respektive Traurigkeit - bleibt man allein.

Und bevor es allzu rührselig wird, ich finde das nicht nur nicht schlimm. Ich finde es geradezu phantastisch, dass es so ist. Denn im Gegensatz zu manch anderem bin ich nicht der Meinung, dass es schlimm ist, wenn man mal traurig ist. Halte ich es nicht nur für ausgezeichnet, sondern überaus gesund, wenn man weint. Es bringt eine andere Form der Klarheit, wenn man seine Tränenkanäle ab und zu ordentlich durchspült. Und ich halte es tatsächlich für einen meiner größten Vorteile, dass ich bei der kleinsten Kleinigkeit anfange rumzuflennen wie ein kleines Mädchen. Da brauch ich nur nen rührseligen Film zu sehen. Oder nen guten Witz zu hören.

Und darum frustriert mich die Reaktion anderer auf Tränen immer so. Denn sie sind überhaupt nichts Schlimmes. Und waren es wohl auch noch nie. Wahrscheinlich hat diese durchgestylte Welt uns irgendwann darauf gebracht, dass das schlimm sein muss. Weil Tränen womöglich ebenso wenig zur hochglänzenden iPhone-Werbung passen, wie übergewichtige, ungeformte Erika Mustermanns. Nöne, scheue Welt.

Was mich nervt ist, dass gleich eine Ursache gesucht wird, die bekämpft werden muss. Oder dass alle möglichen Leute sich anfangen für irgendeinen Mist zu entschuldigen, besser: sagen, dass es ihnen Leid tut. Würg. Dann kommt plötzlich ein ganz anderes Gefühl in mir hoch, das um einiges unsympathischer ist als Traurigkeit: Scham.

Ich hab den oben ausgeführten Rotz vor ein paar Jahren - es müsste 2001 gewesen sein und noch vor dem 11. September, in - zugegebenermaßen etwas pathetische - Worte gefasst, die mich so umgehauen haben, dass ich immer anfangen musste loszuflennen, wenn ich sie wiedergab. Vor Ergriffenheit natürlich. Wegen nichts anderem sonst.

Zu Fühlen
Im Schmerz wie durch die Freude.
Und selbst wenn man es kaum erträgt, des Irdnen Los
Man weiß, es lohnt zu nehmen selbst die Qualen
Da sie bedeuten, was es heißt ein Mensch zu sein.

Was hast Du heute schon getan, um die Welt zu retten…?

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von me | 28. Februar 2010 - 20:19 Uhr - Veröffentlicht in Die Unmoralische

Vor sechs oder sieben Jahren - so genau lässt sich nicht mehr sagen, wann dieser Prozess angefangen hat und abgeschlossen wurde - habe ich mit meinem alten Leben gebrochen. Ich habe den Kontakt zu meinen damaligen Kumpeln, mit denen ich jahrelang fast täglich rumgehangen habe, von einem Tag auf den anderen komplett abgebrochen und seitdem nichts mehr von ihnen gehört. Damals und auch danach hab ich geglaubt, dass es damit zusammenhing, dass ich mich nicht auf diese Leute verlassen konnte - was auch der Fall war.

Nun stehe ich wieder an einem ähnlichen Punkt. Bin der Beziehungen, die ich aufgebaut habe, überdrüssig. Die Projekte, die ich versucht habe voranzutreiben, haben sich als untragbar erwiesen, weil ich alleine nicht die Kraft habe, sie mit der Konstanz und Konsequenz weiterzuführen. Auch wenn ich es werde. Auch wenn es nicht reicht.

Ich glaube nicht mehr, dass der Grund für meinen Überdruss ist, dass ich mich auf diesen oder jenen nicht verlassen kann. Das ist - im Großen und Ganzen - heute nicht mehr der Fall. Ich bin mir nun sicher, dass es daran liegt, dass die Leute gewöhnlich geworden sind. Und dass das damals genauso passiert ist.

Ich möchte nicht, dass das abwertend verstanden wird. Gewöhnlich heißt nicht banal oder so. Sondern eigentlich nur nicht ungewöhnlich. Und das sind wohl die meisten. Nicht ungewöhnlich. Also nichts außergewöhnliches. Weder im Guten wie im Bösen. Ich weiß nun, dass die Leute, die mich umgeben, die ich umgebe, so abgefuckt desillusioniert sind, dass ich ein eigenes Wort dafür erfinden würde - dizillusioniert vielleicht. Keine Ahnung.

In den 1960er und 1970er Jahren hat man sich noch gegen die Gesellschaft aufgelehnt, in den 80er Jahren zumindest noch gegen die fortschreitende Zerstörung der Umwelt. Immer im Glauben, dass wir im Westen im Recht waren, weil hinter der Mauer die bösen Leute lebten. Dann kam 1989 und plötzlich war alles anders, die Welt verdoppelte sich, verdreifachte sich, die Möglichkeiten, wow, explodierten wie die Anzahl der Fernsehkanäle und schließlich der Websites. Und die Menschheit - zumindest der wohlhabende Teil davon - feierte sich selbst. Keine Rede mehr von Revolution und so. Wie uncool. Hatten die Revolutionen der Vergangenheit nicht geradewegs in den Kommunismus geführt? Jedenfalls verkündeten Politikwissenschaftler gleich schon mal überschwänglich das Ende der Geschichte. Dann kam der 11. September. Der uns hedonistische, E-verseuchte Love-Parade-People mal wieder daran erinnerte, dass hinterm Berg, also irgendwo hinterm Hindukusch, auch noch Menschen lebten. Nicht, dass nach dem ersten Schockmoment die Party nicht weiterging. Nur dass sie danach eher an den Tanz auf dem Vulkan erinnerte. Wo es sich bekanntlich am besten feiern lässt. Am Ende kam dann Fannie Mae und fragte nach der Rechnung. Dann war auch diese Party vorbei.

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Was bleibt, jetzt wo sich kaum jemand klar zu sein scheint, dass der Kater uns schon längst in den Gliedern sitzt. Wir tun so als wäre nix gewesen und machen einfach weiter - aber tun wir das wirklich?

Wenn ich mir die Leute ansehe, mit denen ich zu tun habe. Dann sehe ich, was die Welt aus ihnen macht. Sie alle kümmern sich um Karriere. Um Jobs. Rente. Darum, bloß nicht aufzufallen. Nicht hinten runterzufallen. Nicht von einem auf den anderen Moment zum Paria erklärt zu werden. Grundlos. Einfach so. Weil man alt ist. Krank wird. Die Zeiten schlecht sind. Und man sich plötzlich als Stipendiat von Peter Hartz wieder findet. Also zieht man den Kopf ein. Und hofft, dass alles einfach so weitergeht. Der Sturm über einen hinwegzieht.
Die Zeit der Parties ist vorüber. Und wir haben uns auf dem Vulkan häuslich eingerichtet, uns entschieden, ihn einfach nicht zu sehen. Wir hoffen, dass er nicht ausbricht. Oder dass, wenn er es doch irgendwann tut, es wenigstens nicht uns erwischt.

Dabei muss jedem, der sich die Mühe macht, den Rotz zu lesen, den ich hier über freigeld usw. schreibe, klar sein, dass es so nicht weitergehen wird. Diese Welt wie wir sie kennen, wird aufhören zu existieren. In ein paar Jahren schon. Und das ist keine… Ach, f!ckt Euch doch und denkt Euch selbst, was das ist oder nicht.

In Wahrheit macht sich keiner die Mühe das zu lesen. Und auch wenn das für ein paar von Euch frustriert klingen mag - ich sche!$s auf Euch! Denkt über mich und das was ich tue was Ihr wollt. Dass ich es mache, um mein Ego zu polieren. Weil ich nix Besseres zu tun hab. Mich gerne reden höre. Gähn. Wie oft hab ich diese W!chse schon gehört. Von Menschen, die mich zugetextet haben mit Ihrem was auch immer, immer, immer, immer. Um mir danach zu erzählen, dass ich nicht zuhöre. Keine andere Meinung gelten lasse. Klugscheiße. Besserwisse. Blubb, Blubb, Blubb. Ich kann es nur immer wieder sagen. Zumal es mir echt gut tut, das zu tun. F!ckt Euch! Echt. F!ckt Euch. Macht Euren Sche!$s allein. Und lasst mich in Ruhe mit Eurem dämlichen Baumknutscher-Gelaber. Mit Eurem verf!ckt langweiligen Gesülze, Wehgeklage, dass dies Sche!$se ist und jenes ungerecht.

Blubb, Blubb, Blubb. Ich verachte mittlerweile Charity-Veranstaltungen. Song für Haiti, Promi-Gala für krebskranke Bälger, Träume von Jamaica, QuackeldiQuackeldiQack. Sollen die verf!ckten George Clooneys, die verfluchten Bono-Fo$%en dieser Welt, die kinderf!ckenden Frömmler doch da runter fahren und Schutt schüppen, wenn sie wirklich was tun wollen. Aber das geht ja nicht. Nein. Das geht ja nicht. Man hat ja Verpflichtungen.

Ich mach den Leuten diese Haltung gar nicht zum Vorwurf. Wenn jemand wie Arno Dübel sich hinstellt und sagt, er geht nicht arbeiten, ist das zumindest ein Statement. Chapeau, Monsieur. Auch wenn der Schwachkopf natürlich nicht weiß, was er da faselt. Doch ist das allemal konsequenter als dieses besch!ssene Gutmenschen-Getue, die über das Übel der Welt schwadronieren, während sie Latte Macchiato schlürfend bei ner verf!ckten Montagsdemo zusehen. Klasse. Bravo. Weiter so.

Ist ja alles wie gewöhnlich.

Was hast Du heute getan, um die Welt zu retten…?

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