Fragt Ihr Euch nicht manchmal auch, warum Menschen anderen Menschen helfen? Tun sie es, weil sie sich selbst dabei gut fühlen wollen? Oder in den Vordergrund spielen? Oder womöglich wirklich, weil sie ein Interesse daran haben, anderen zu helfen? Es ist eine müßige Diskussion, die wohl schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten geführt wird und am Ende immer zu der Frage führt, ob Altruismus nicht in Wirklichkeit eine andere Form des Egoismus ist.
Und – um die Sache noch ein wenig banaler zu machen – am Ende ist es wohl hauptsächlich eine Typfrage. Und obendrein situationsabhängig. Da mag es die Mutter-Theresa-Typen geben, die sich aufopfern für das Wohl der Welt (wenn sie es nicht nur tun, um am Ende in ihren Himmel zu kommen…), da mag es die Verschlagenen, die Doppelzüngigen, Opportunen geben, die aus reiner Berechnung handeln, manipulieren, lügen, allein für ihre eigenen Zecke (wenn sie nicht am Ende trotz allem und sogar ungewollt einem höheren Zweck dienen – siehe Judas Ischariot). Und der wohl überwiegende Rest. Der, zu der ein- oder anderen Seite tendierend, in der Grauzone des menschlichen Miteinanders herumkrebst und – kaspert.
Mann, Mann, Mann, denken sich jetzt schon die Ersten. Geht das schon wieder los? Was soll denn immer dieses ganze Geblubber und Geseier? Kommste jetzt endlich zum Punkt oder was? Naja, vielleicht ist das schon der Punkt. Denn ich frage mich das ernsthaft, was meine Person angeht, mich persönlich, warum ich das PAL-Projekt überhaupt mitmache. Aus Gutmenschentum? Oder Berechnung?
Eins steht jedenfalls fest: Ich bin definitiv kein Baumknutscher. Setz mich nicht teetrinkend hin und debattiere in Rentier-Pulli-Zirkeln über den Weltfrieden und die Schönheit der inneren Werte. Ich halte Krieg nicht unbedingt für vermeidbar. Schon allein, weil ich weiß, dass es – salopp gesagt – böse oder: schlechte Menschen auf der Welt gibt. Die mit Hippie-Gequatsche nicht anfangen können. Und manchmal nur Härte als Sprache verstehen.
Totschlag-Argument in diesem Zusammenhang: Was hat die Appeasement-Politik von Chamberlain & Co. gegenüber Nazi-Deutschland bewirkt? Und: soll man tatenlos zusehen wie die Schornsteine in Auschwitz rauchen oder die Taliban die afghanische Bevölkerung terrorisiert, nur weil man nicht will, dass (die eigenen) Soldaten zu Mördern werden? Naja, vielleicht hilft ja auch gutes Zureden. Vielleicht wäre ja alles anders gekommen, wenn die Stewardessen der WTC-Maschinen mit den Entführern eine Tasse Tee getrunken und sie besänftigt hätten.

Quakeldiquakeldiquak. Um zum Thema zurückzukommen: ich bin jedenfalls kein Linker. Bin ich noch nie gewesen. So viel steht mal fest. Und ebenso wenig wie ich das bin oder Wert lege auf halbgescheite Diskussionen mit langhaarigen Halbgescheiterten, will ich das PAL-Projekt als ehrenamtliches Projekt verstanden wissen. Und wehre mich entschieden, wenn nur der Begriff fällt. Ich halte das PAL-Projekt für kein Ehrenamtliches Projekt. Es soll kein Projekt sein für Gutmenschen, die sich verwirklicht sehen wollen – aus welchem Grund auch immer. Ich verstehe das Projekt als Grundlage, um ein komplementäres Wirtschaftssystem zu etablieren. Und erstmal nichts anderes.
Es geht um die Schaffung einer Struktur, mit der Dienstleistungen unabhängig von der zinsverseuchten Euro-Währung verrechnet werden können. Und ich glaube, dass es am ehesten möglich ist, andere für ein solches Projekt zu begeistern, wenn man selbstlos (!) einfach etwas für Andere tut. Und bin mir der Ironie des gerade Gesagten vollkommen im Klaren. Ich möchte das nur klarstellen, bevor ich jetzt versuche, in drei (Ab-)Sätzen den Kern der seit Miss Me Toos Kommentar angestellten Überlegungen zusammenzufassen.
1. Es bleibt das fiskalische Problem: Kurz gesagt ist die Leistung, die man im Rahmen das PAL-Projektes erbringt, eine Leistung, für die normalerweise Rechnungen gestellt werden, Umsatzsteuer gezahlt werden muss und, und, und. Entsprechend steht der Vorwurf der Schwarzarbeit im Raum. Was einer längerfristigen Klärung bedarf und ich hier im Moment noch immer nicht weiter ausführen kann. Momentan ist es wichtig, dass wir uns nicht in einer Art Verein organisieren, sondern jeder erst einmal für sich guckt, wo er helfen kann und wie. Der Rest wird sich über die Zeit finden, hoffentlich noch in diesem Jahr. Wir arbeiten dran.
2. Durch die geleisteten Stunden für das PAL-Projekt wird de facto Geld geschaffen. Das funktioniert ganz einfach. Im Moment machen wir das so, dass wir diesen Vordruck den Ansprechpartnern des Pflegeheims geben – in unserem Fall die Verwaltungsmitarbeiter – und diese Namen, Tag und geleistete Stunden notieren und schließlich quittieren. Das reicht für den Anfang. Was später mit diesen Zetteln geschieht – später. Wichtig dabei ist nur, dass es sich um eine Organisation und nicht um eine Einzelperson handelt. Damit nicht irgendwann der Vorwurf im Raum steht, dass zwei Leute Geld schöpfen, indem sie sich gegenseitig Stunden bescheinigen. Auch wenn das im Moment noch keine Rolle spielt. Dieser Punkt ist immens wichtig.
3. Ich habe lange überlegt, wie wir mit den Leuten aus dem Fischer-Projekt verfahren. Den zu betreuenden Einzelfällen, die unter 2. explizit ausgeschlossen sind. Vielleicht fällt uns dazu später noch eine bessere Lösung ein, aber im Moment ist es wohl das Sinnvollste, diese Leute als Zugewinn für das gesamte Projekt zu betrachten.
Ein Beispiel: wir haben in der letzten Woche einer Frau ein paar Schränke abgeholt, die das nicht selbst konnte. Natürlich können wir nicht hingehen und uns das bescheinigen lassen. Sonst haben wir am Ende tausend Zettel, von Vätern, die ihren Söhnen bescheinigt haben, ihr Auto gewaschen zu haben. Oder den Rasen gemäht. Oder die Oma besucht.
Doch die Frau hat uns angeboten, etwas für uns zu tun (hier geht es schon in Sachen Tauschring), zum Bespiel Behördenschreiben erledigen, falls so etwas ansteht, und das wird es bestimmt auf kurz oder lang. So haben wir die Schränke zwar umsonst geschleppt. Aber womöglich eine Unterstützerin hinzugewonnen. Und das ist doch auch was.
Abschließend möchte ich noch eine Sache sagen: Auch wenn ich den ganzen Rotz hier mache, weil ich die Hoffnung habe, dass uns das Allen weiterhelfen wird. Für die Zukunft. Und das irgendwie ein ziemlich egoistischer Wunsch ist. Kann ich Euch aus eigener Erfahrung sagen, dass es ein erhebendes Gefühl ist, anderen Menschen zu helfen. Zu sehen wie sie sich freuen. Wie man etwas bewegt. Wie sich etwas bewegt. Das, das kann ich Euch versichern, macht echt glücklich. Auch wenn Glücklichsein doch irgendwie schon wieder ziemlich eigennützig ist.